Auftakt zum vierten Schulgartenjahr am BG Porcia

Das heurige Gartenjahr der Modulgruppe „Horticultura“ beginnt mit einer Aufgabe, die nur als Team zu bewältigen ist: Wie kommt ein abgehängter Autoanhänger voll Rindenmulch zum Ort seiner Bestimmung? Immerhin gilt es, etwa 600kg Masse quer über den Spielplatzrasen zum etwa 30m entfernten Gemüsegarten zu schieben. Die Herausforderung für die 13 SchülerInnen scheint scheitern zu müssen. Trotz sprudelnder Empfehlungen, Einwürfe, Widersprüche, Befehle, Ansagen, Behauptungen. Die Energie liegt in der Kommunikation. Nichts desto trotz rührt sich der Hänger 10 min. lang nicht vom Fleck.  „Ma tuats endlich!“  „Kenn ma nit amol..!?“  „Des schoff ma nie!“ Hyperkommunikation? Kraft im Mundwerk statt am Wagen? In der Gruppe will kein „Hauo-Ruck“ entstehen. Kein Erfolg in Sicht, bis Gabriel ungeduldig ausruft: „Kein Wunder, dass da in der Praxis nix weitergeht, wenn wir noch nicht einmal eine Theorie haben, wie wir das am geschicktesten anstellen könnten!“  [ Lehrer grinst zufrieden in sich hinein: „Köstlich! Eine Sternstunde der Gruppendynamik!!!“ Ein Kleinformat-Modell gar für die ganze Gesellschaft???…]

Gabriel macht den theoros, den Zuschauer, hält inne, tritt aus der Gruppe hinaus, hält Nachschau, geht um den Anhänger herum, betrachtet das Problem aus der nötigen Distanz, informiert die Gruppe über eine Bodenkuppe unter dem linken Reifen. Die Analyse beginnt. Realistische Möglichkeiten werden modelliert. Die Strategie wird geändert: Ziehen statt Schieben führt schließlich zum Erfolg. Wieder einmal hat sich der Spruch bewahrheitet: „Theorie ist Heilung der Praxis.“ (Carl Friedrich von Weizsäcker)

Kaum hat der prallgefüllte Anhänger Schwung aufgenommen, schieben und ziehen dreizehn junge Menschen die träge Masse koordiniert in Richtung Rund-Hochbeet. Der Erfolg motiviert und im Nu landen 2m³ Lärchenrinde an Wegen und Plätzen des Schulgartens, wo sie eine pflegeleichte und betrittfeste Alternative zu Rasen oder Pflaster darstellt. Und im Schatten stellt Lärchenrinde ohnehin den angesagtesten Bodenbelag dar. Kein Säen, kein Düngen, kein Mähen, kein Rechen.  Nach vier bis sechs Jahren ist er dann reif für den Kompost, für die Erdbeer-Unterlage, die Moorbeet-Auflage. Vor dem „Mulchen“ aber wurden noch dutzende Quadratmeter Karton auf Braunerde und Unkraut gelegt. Damit erhält die Transportverpackung unserer Schulbücher einen letzten Zweck, bevor sie im Sommer 2022 völlig abgebaut sein wird.

Die Borkenschnitzel der Lärche jedoch werden etwa dreimal so lange halten wie herkömmlicher Fichten-Rindenmulch. Diese hervorragende Haltbarkeit verdanken sie ihren biologischen „Konservierungsstoffen“. Als kampfer-terpentinige Duftwolke, als „ätherische Öl-bombe“, die während des Abschaufelns des Anhängers freigesetzt wird, betören und inspirieren die Terpene, Harzsäuren und Gerbstoffe übrigens den Geruchsinn der jungen Gärtner derart, dass bis zum Ende der Stunde immer wieder die Rede ist von „Stoff“ und „Schnupfen“, „Rauchen“ und „Dealen“…

Was dann aber wirklich konsumiert wurde: Kürbisse vom Vorjahr, als frisch geerntete Belohnung für den ersten Pflegeeinsatz des Schuljahres!

 

Die Modulgruppe HORTICULTURA bedankt sich an dieser Stelle für die großzügige Spende von 2m³ erstklassigen, schälfrischen, sagenhaft duftenden Lärchenrindenschnitzel beim Sägewerk WINTERHOLZ in Mühldorf: Ein herzliches DANKESCHÖN!

 

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